Stand: 19. Oktober 2026. Markt- und Firmwareangaben können sich ändern.

Ein gutes MIDI-Masterkeyboard muss nicht möglichst viele Funktionen haben. Entscheidend ist, ob Tastatur, Anschlüsse und Steuerung zu deiner Spielweise und deinem Setup passen. In diesem Vergleich stelle ich meine Erfahrungen mit dem Native Instruments Komplete Kontrol S88 MK2 und dem Roland A-88MKII aktuellen Modellen und wichtigen Auswahlkriterien gegenüber.

Kurzempfehlung: Für den NI- und NKS-Workflow ist das Kontrol S88 MK3 interessant. Wer ein möglichst klaviernahes Spielgefühl sucht, sollte das Roland A-88MKII oder ein Studiologic SL88 ausprobieren. Für umfangreiche DAW-Steuerung bietet das Arturia KeyLab 88 mk3 viele Bedienelemente direkt am Keyboard.

Was ist ein MIDI-Masterkeyboard?

Ein MIDI-Masterkeyboard sendet Spiel- und Steuerdaten an Computer, Software-Instrumente oder anderes MIDI-Equipment. Es erzeugt in der Regel selbst keinen Klang. Für den Ton brauchst du daher beispielsweise eine DAW mit virtuellen Instrumenten oder ein externes Soundmodul.

Vor dem Kauf lohnt sich ein Blick auf vier Punkte: Tastatur und Anschlaggefühl, Anzahl der Tasten, gewünschte Bedienelemente und Anschlüsse. Auch die Kompatibilität mit deiner DAW und deinen Plug-ins kann den Arbeitsalltag stärker beeinflussen als die Zahl der Knöpfe.

Meine Erfahrungen: Native Instruments und Roland

Native Instruments Komplete Kontrol S88 MK2: stark im Software-Workflow

Ich nutze das Komplete Kontrol S88 MK2 zusammen mit der Komplete-Software. Besonders praktisch finde ich die Integration in das Native-Instruments-Ökosystem: Unterstützte Presets lassen sich am Keyboard durchsuchen und ausgewählte Parameter über die Encoder steuern. Der Light Guide zeigt je nach Anwendung unter anderem Skalen, Tastenbereiche oder Keyswitches an.

Das S88 MK2 verbindet eine gewichtete Fatar-Tastatur mit Bedienelementen und DAW-Funktionen. Es eignet sich deshalb für Produzentinnen und Produzenten, die viel mit Software-Instrumenten arbeiten. Die Integration ist allerdings besonders dann ein Vorteil, wenn die eigene Software tatsächlich mit Komplete Kontrol und NKS zusammenspielt.

Wichtig bei der Modellwahl: Das ältere S88 MK2 und das aktuelle Kontrol S88 MK3 sind nicht dasselbe Modell. Beim MK3 nennt Native Instruments polyphonen Aftertouch als zentrale Neuerung; dabei lässt sich der Druck auf einzelne Tasten getrennt erfassen. Wenn du diese Funktion brauchst, prüfe außerdem, ob deine Instrumente und Sounds sie unterstützen.

Roland A-88MKII: auf das Spielgefühl ausgerichtet

Als Pianist greife ich im Studio gern zum Roland A-88MKII. Seine PHA-4-Tastatur mit Hammermechanik und Ivory-Feel-Oberfläche vermittelt mir ein vertrautes Spielgefühl. Ob sie zu dir passt, solltest du selbst testen: Tastaturgefühl ist persönlich und lässt sich aus technischen Daten allein nur eingeschränkt ableiten.

Das A-88MKII verzichtet auf Aftertouch. Für manche Spielweisen ist das kein Nachteil; wer Druckdaten für Modulation oder andere Klangveränderungen einsetzen möchte, sollte gezielt ein Keyboard mit passender Aftertouch-Funktion vergleichen. Roland führt für das A-88MKII außerdem MIDI 2.0 ab Systemprogramm 2.00 auf. Die tatsächliche Nutzung hängt auch von Betriebssystem, DAW und Setup ab.

Meine Einschätzung aus dem persönlichen Vergleich: Das Roland spricht mich beim pianistischen Spielen stärker an. Das ist keine allgemeingültige Bewertung – besonders bei gewichteten Tastaturen entscheidet der eigene Eindruck.

Aktuelle MIDI-Masterkeyboards im Vergleich

Auswahl an 88-Tasten-MIDI-Controllern und ihre Schwerpunkte
Modell Tastatur und Besonderheit Passt besonders zu
Native Instruments Kontrol S88 MK3 88 gewichtete Tasten mit Hammermechanik, polyphoner Aftertouch, NKS-Integration Software-Instrumenten und NI-Workflow
Roland A-88MKII 88 Tasten mit PHA-4-Hammermechanik; MIDI 2.0 ab Firmware 2.00 Pianistinnen und Pianisten, die eine reduzierte Controller-Oberfläche bevorzugen
Arturia KeyLab 88 mk3 88 gewichtete Tasten mit Hammermechanik und Aftertouch; Fader, Encoder, Pads und Display DAW-Steuerung und direkte Bedienung am Keyboard
Studiologic SL88 Grand 88 Tasten mit TP/40-WOOD-Hammermechanik; vier programmierbare Zonen Spielgefühl, Zonensteuerung und externe MIDI-Setups
Studiologic SL88 Studio 88 Tasten mit TP/100LR-Hammermechanik; leichter als das SL88 Grand Gewichtete Tastatur mit stärkerem Fokus auf Transportierbarkeit

Die Tabelle fasst Herstellerangaben zusammen, ersetzt aber keinen Spieltest. Auch Preise und Verfügbarkeit ändern sich. Vergleiche deshalb vor dem Kauf aktuelle Angebote, Lieferumfang, Garantie und Rückgabebedingungen.

Welches Masterkeyboard passt zu dir?

  • Du produzierst überwiegend mit NI- und NKS-Instrumenten: Sieh dir das Kontrol S88 MK3 an und prüfe, ob deine wichtigsten Plug-ins unterstützt werden.
  • Das Klaviergefühl steht im Vordergrund: Spiele das Roland A-88MKII und die Modelle von Studiologic selbst an. Achte dabei auf Tastenwiderstand, Repetition und Dynamik.
  • Du möchtest deine DAW direkt bedienen: Vergleiche das Arturia KeyLab 88 mk3 mit deinem Software-Setup und prüfe, welche Funktionen ohne zusätzliche Konfiguration arbeiten.
  • Du nutzt externe Klangerzeuger: Achte auf MIDI-Anschlüsse, programmierbare Zonen, Pedaleingänge und die Möglichkeit, MIDI-Kanäle zuzuweisen.
  • Du brauchst nicht den gesamten Tastaturumfang: Ein 61- oder 73-Tasten-Modell kann Platz und Gewicht sparen. Entscheidend ist, ob du häufig über mehrere Oktaven spielst.

Fazit

Das passende MIDI-Masterkeyboard ergibt sich aus deinem Workflow: NKS-Integration, Pianospiel, DAW-Bedienung und externe MIDI-Steuerung stellen unterschiedliche Anforderungen. Meine persönlichen Erfahrungen mit dem S88 MK2 und dem A-88MKII bleiben dabei eine individuelle Einschätzung; die neueren Modelle habe ich in diesem Beitrag anhand der Herstellerangaben ergänzt.

Mein Tipp: Probiere die Tastaturen möglichst selbst aus und nimm deine typische Spielweise mit. So merkst du am besten, ob sich ein Keyboard für dich richtig anfühlt.

Herstellerangaben und weiterführende Informationen